Eine Nacht im Kråkenes Fyr: Übernachtung in einem der westlichen Leuchttürme Norwegens
Die Westküste Norwegens ist rau. Lässt man seinen Blick von den Klippen übers Meer schweifen, könnte man meinen, man hat das Ende der Welt erreicht. Erbarmungslos schlagen Wellen gegen die Felsen, die Gischt nagt kontinuierlich am Übergang zwischen dem Atlantik und der norwegischen Küste.
Auf den ersten Blick ist die Gegend bei Kråkenes ein unwirtlicher Ort. Ganz an der Spitze der Landzunge thront das Kråkenes Fyr, einer der westlichsten Leuchttürme Norwegens, auf den Klippen. Das Leuchtfeuer liegt eine halbstündige Autofahrt hinter der Stadt Måløy, die nicht nur von den Küstenschiffen von Havila und Hurtigruten, sondern auch regelmäßig von Kreuzfahrtschiffen angesteuert wird.
Der Leuchtturm zählt zu den Highlights in der Gegend und lockt nicht nur Naturliebhaber an, die sich von den gewaltigen Kräften der Natur selbst ein Bild machen wollen. Denn, trotz der teils kargen Landschaft lädt der Ort zum Verweilen und Entspannen ein.
Neben einem Café kann man im Kråkenes Fyr in einem der Zimmer im Leuchtturm oder dem Assistenthuset, das etwas unterhalb an einem Schotterweg liegt, übernachten. Auf einer unserer letzten Norwegen-Reisen haben wir genau das ausprobiert und uns in ein kleines Abenteuer gestürzt.
Für uns ging es mit dem Auto von Måløy kommend in Richtung Leuchtturm. Auf einer kleinen Straße führte uns der Weg durch Raudenberg. Ein Stückchen weiter teilt sich der Weg – bergab zum Refviksanden Strand oder bergauf über den Kvalheimsvegen weiter Richtung Leuchtturm. Auf den gut 23 Kilometern zum Kråkenes Fyr verändert sich die Straße immer wieder und man durchquert verschiedenste Landschaften, bis man auf einem Schotterparkplatz steht, von dem nur ein schmaler Weg zum Leuchtturm führt. Für Autos ist dort das Ende erreicht. Bis dahin hat man aber bereits unzählige Male angehalten, um die Landschaft zu bestaunen und Fotos zu machen.
Bevor wir unser Zimmer im Assistenthuset bezogen haben, gab es erst eine kleine Stärkung mit Kaffee, Kuchen und typisch norwegische Waffeln. Das kleine, gemütliche Café im Obergeschoss des Leuchtturms lud nicht nur zum Verweilen ein, bei einem Gespräch mit anderen Gästen über das Reisen durch das skandinavische Land konnten wir so richtig die Seele baumeln lassen. Bilder an den Wänden zeigten die Vergangenheit von Kråkenes Fyr, während sich vor den Fenstern ein grandioser Ausblick auf die Klippen und den offenen Atlantik in das Hier und Jetzt eröffnete.
Frisch gestärkt warfen wir einen ersten Blick in unser Zimmer im Assistentenhaus unterhalb des Leuchtturms, bevor wir zum Abendessen und einer kleinen Erkundungstour über die Landzunge aufbrachen.
Um „Rom 4“ zu erreichen, mussten wir vom Eingang über eine schmale Treppe an den Gemeinschaftsräumen und anderen Übernachtungsmöglichkeiten vorbei bis ins oberste Stockwerk. Das Zimmer mit Doppelbett und eigener Toilette (aber ohne Dusche) bot mit seinen großen Fenstern einen tollen Blick über die karge Landschaft, das Meer und die Straße, über die wir gekommen sind.
Neben dem Gebäude und den gemütlichen Zimmern gibt es auch um den Leuchtturm herum einiges zu entdecken. Aber, wer sich am Abend nicht mehr auf die halbstündige Fahrt nach Måløy machen will, sollte sich Essen und Getränke mitbringen.
Als die Tagesgäste gegangen waren und – mal den Wind ausgeklammert – Ruhe um Kråkenes Fyr einkehrte, zog es uns auf die Plattform am Leuchtturm. Von dort konnte man die Wellen dabei beobachten, wie sie gegen die Klippen schlugen. Für Bergsteiger bietet sich auch ein kleiner aber steiler Aufstieg hinter dem Leuchtturm auf einen Hügel an. Vor dort hat man nicht nur einen grandiosen Blick auf das Leuchtfeuer und kann Erinnerungsfotos schießen, sondern kann auch seinen Blick über die beeindruckende Küstenlinie in beide Richtungen schweifen lassen. Aber Vorsicht, es ist sehr windig!
Nach einer erholsamen Nacht hieß es für uns am nächsten Morgen Betten abziehen, durchs Zimmer kehren und auf zum Auto. Uns zog es wieder weiter ins Landesinnere, weg vom Kråkenes Fyr, über die schmale Straße, an Måløy vorbei zu den Fjorden.
Aufmerksam wurde ich auf den besonderen Leuchtturm durch das Buch „Windstärke 15: Wo die Freiheit wohnt – Mein Leben im Leuchtturm am Ende der Welt“ von Thomas Bickhardt. Nach dem Lesen hat sich eher zufällig ergeben, dass das Kråkenes Fyr auf unserem Norwegen-Trip auf dem Weg zur Vogelinsel Runde lag – also eine perfekte Möglichkeit, dem Leuchtturm einen Besuch abzustatten und zu die Vorstellung aus dem Buch mit der Wirklichkeit abzugleichen.
Auf unserer Reise zählte die Übernachtung im Kråkenes Fyr definitiv zu den Highlights, die wir irgendwann noch einmal wiederholen wollen. Ein Zwischenstopp bietet sich beispielsweise auf dem Weg von Bergen in Richtung Ålesund an.
Kråkenes Fyr
Das Kråkenes Fyr liegt an der Westküste Norwegens. Gebaut wurde das Leuchtfeuer im Jahr 1906 und später, im Jahr 1986 automatisiert.
Der Leuchtturm liegt sieben Stunden von Bergen entfernt, von Oslo sind es sogar neun und von Ålesund 3,5 Stunden.
Infos: © krakenesfyr.com
Weitere Informationen zum Leuchtturm Kråkenes Fyr, den Öffnungzeiten des Cafés sowie den Übernachtungsmöglichkeiten findest du auf deren Website krakenesfyr.com (englisch).
